Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes.
Ein Papst-Portrait zum Film von Wim Wenders

22. Juni 2018 Gesellschaft
von Miriam Pawlak
Erstmals ist ein Film erschienen, der Papst Franziskus ganz aus der Nähe zeigt.
Symbolfoto: Nacho Arteaga/unsplash

Hautnah: So würde ich mit einem Begriff beschreiben, was ich in der exklusiven Pre-Weltpremiere-View am 11. Mai im Rahmen des Katholikentags in Münster erleben durfte. Noch vor der eigentlichen Weltpremiere auf dem Filmfestival in Cannes, wo der Film erst am 14. Mai gezeigt wurde, war der Regisseur Wim Wenders persönlich anwesend im Kino.

Wim Wenders bei der Kurzeinführung.  Foto: © Miriam Pawlak

In einer knappen Einführung zu seinem Film erklärte er, dass es ihm ein Anliegen war, dass Papst Franziskus selber möglichst viel spricht. Aus dem Film solle hervorgehen, was der Name Franziskus bedeutet. Und so hat Wenders durch gewiefte Kameraeinstellungen und berührende Motive geschafft, dass Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes spricht und im Film vorlebt, was ihn auszeichnet: die Nähe zu den Menschen. Man hat das Gefühl, dass der Papst mit jedem einzeln spricht, er schaut einem in die Augen und so führen seine Worte direkt ins Herz. Auch das ist eine Besonderheit des Films: Papst Franziskus sieht die Welt mit einem klaren Blick, mit weit geöffneten Augen und Armen lebt er, was er predigt – er lebt, das Wort, das er spricht und das macht ihn so greifbar nahe.

Damit geht er zurück auf den Namen, der sein Pontifikat auszeichnet: Franziskus. Der hl. Franziskus von Assisi, bewegt von den Armen, lebt selbst schlicht und einfach, vertraut sein Leben ganz Gott an und ist den Menschen und der Natur eng verbunden. Sein Dank und Lobpreis an den Schöpfer der Erde wird im bekannten Sonnengesang zum Zeugnis seiner Liebe zur Welt, das er in der Nachfolge Christi erweist.

Ich war beeindruckt, wie sehr ich mich dadurch angesprochen gefühlt habe, wie sehr ich mich zusammenreißen musste, um nicht in Tränen auszubrechen, als Szenen der Realität gezeigt wurden, die mit Armut, Not, Leid, Katastrophen und Krankheit behaftet waren. Ich kenne die Bilder aus den Medien, sie aber auf der Kinoleinwand und untermalt mit dem Originalton des Papstes zu sehen und hören, hat mich zutiefst mithineingenommen in die Sorgen, für die Papst Franziskus betet. Ich merkte wie der Schmerz, der sich in seinen widerspiegelte unter die Haut ging.

Nach der exkulsiven Kino-Preview: Wim Wenders im Gespräch.
Foto: © Miriam Pawlak

Und dennoch sprach Hoffnung aus seinem Mund, leuchtete er förmlich auf, als er mit „wir“ und in einfacher Sprache an alle Menschen appellierte, sich nicht erschlagen zu lassen von dem Bösen in der Welt, sondern in der Liebe Christi zu handeln – und wenn der kleinste gemeinsame Nenner dieses Band der Liebe ist, das alle Menschen eint, dann ist das genug, um aus Feinden unsere Nächsten zu machen.

Der Film ist ein facettenreicher Film, der die verschiedensten Emotionen des Papstes aufgreift, welcher ehrlich auf die Fragen der Welt antwortet und bis zum Ende nicht sein Lächeln verliert. Sein Lachen und sein Sinn für Humor werden ebenso erfahrbar wie die Ernsthaftigkeit der Themen, die er problematisiert.

Papst Franziskus, der aus dem Geist seines Namenspatrons lebt und ihn mit jesuitischer Spiritualität füllt, bewegt mit liebenswerten Worten, ernsten Mienen, leuchtend warmen Augen und Hoffnung schenkenden Gesten. Es ist mehr ein Film mit dem Papst, statt über den Papst.

Aus diesem Grund fühlte ich mich beim Anschauen des Films ihm so nah – er hat so etwas Familiäres: Er ist wie ein barmherziger Vater, der dir über die Wange streichelt und dir einen sanften Kuss gibst, wenn du gefallen bist: so menschlich, so herzergreifend.

„Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“ läuft gerade in allen Kinos.

Der Autor: Miriam Pawlak

Studentin der katholischen Theologie an der Ruhr-Universität in Bochum. Autorin bei »YOUPAX – dem jungen Glaubensportal im Erzbistum Paderborn.

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