Katholikentag 2018 – Tag 3

13. Mai 2018 Gesellschaft, Theologie
von Matija Vudjan
Auf der Kirchenmeile des Katholikentags.
Alle Fotos (sofern nicht anders angegeben): © Matija Vudjan/CC BY-NC-ND 4.0

In dieser Woche findet der 101. Katholikentag in Münster statt – und ich nehme als Besucher daran teil. Nachdem die ersten beiden Tage für mich persönlich durchwachsen (Tag 1) und katastrophal (Tag 2) verlaufen sind, bin ich zuversichtlich gewesen, dass der dritte Tag besser verlaufen würde. So viel vorneweg: Ich bin (endlich) nicht enttäuscht worden.

Tag 3 (Samstag) – ereignisreich und erfolgreich!

Der dritte (und letzte inhaltliche) Tag ist es also, der die Kohlen aus dem Feuer holen soll, nachdem die ersten beiden Tage suboptimal verlaufen sind. Da es nach den verpassten Veranstaltungen der vergangenen Tage noch einiges aufzuholen gilt, haben wir uns ein straffes Programm auferlegt, das im Wesentlichen daraus besteht, die Kirchenmeile möglichst vollständig abzugrasen und am Nachmittag ein Podium zu besuchen. Der Tag fängt jedenfalls mit einem guten Omen an: Unsere Bahn ist zum Glück pünktlich – bis Münster wird sie völlig überfüllt sein.

Kirchenmeile und Innenstadt

Den Großteil des Tages haben wir also damit verbracht, möglichst viele Stände zu besuchen und mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Eines ist dabei auf eindrückliche Weise klar geworden: Die katholische Kirche (in Deutschland) besteht nicht nur aus den 27 Bistümern, sondern weist über ihre Organisationsstruktur hinaus eine unglaubliche Pluralität auf: angefangen von Vereinigungen wie der CAJ oder den „Christlichen Sozialist*innen“ über Bildungswerke und Verläge (und, und, und…) bis hin zu Ordens- und geistlichen Gemeinschaften. Wer die Kirchenmeile betritt, kann nicht anders als festzustellen, dass kirchliches Leben äußerst vielfältig und vielschichtig ist.

Zwischendurch haben wir die Generalprobe für die Hauptgottesdienst des Katholikentags auf dem Schloßplatz beobachtet und dabei (schon vorab) eine beeindruckende tänzerische Choreographie gesehen – und Zeit für ein (traditionelles münsterländisches) Mittagessen auf dem Wochenmarkt am Dom muss es auch geben; genauso wie für einen kurzen Augenblick der Besinnung und des Zur-Ruhe-Kommens in der Kapelle der Münsteraner Katholischen Hochschulgemeinde. Der große Vorteil des Katholikentags in Münster ist, dass alles sehr gut und in wenigen Minuten fußläufig erreichbar ist. Umso besser, wenn man zudem die Möglichkeit hat, einem spontanen Konzert zuzuhören.

Der Hl. Martin als Friedensstifter

Nachdem wir am Nachmittag noch einmal auf die Kirchenmeile zurückgekehrt sind und (fast) alle Stände besucht haben (nur den Stand von katholisch.de haben wir nicht gefunden – wie sich später herausstellt, liegt er nicht auf der Kirchenmeile, sondern in der Innenstadt…), gilt es nun, ein (nur mäßig besuchtes, so fair muss ich an dieser Stelle sein) Podium zu besuchen. Im Hörsaalzentrum der WWU Münster findet eine Veranstaltung zum Thema „Der heilige Martin – Friedensbote damals und heute“ unter der Beteiligung von Johanna Vering (Buchen, Moderatorin), Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Xavier Gué (Basilika St. Martin, Tours), Bischof János Székely (Szombathely/Ungarn) und Karl Woditsch (Bistum Eisenstadt, Österreich) statt.

Kann der Heilige Martin ein Vorbild für eine Friedensbewegung im heutigen Europa sein? Ja, er kann, wie alle Teilnehmer des Podiums eindrucksvoll verdeutlicht haben: Gerade die Figur des Heiligen Martin könne, so exemplarisch Bischof Fürst, einen Anstoß dazu geben, Ängste zu überwinden und sich dem Fremden zuzuwenden: „In der Zuwendung zu den Armen und Bedürftigen begleiten wir Jesus. Aus dem Schenken kann Gottesbegegnung entstehen.“ Starke Aussagen – starker Input (mehr dazu in den kommenden Tagen)!

Kulinarischer und geistlicher Abschluss

Nach dieser Erfahrung gilt es, den Tag gebührend abzuschließen: Nach einem leckeren Frozen Yogurt ist noch ein Besuch in der Heilig Kreuz Kirche am Rande der Innenstadt geplant: hier findet anlässlich des Kirchentags ein Sondertermin von Nightfever statt. Die – zugegebenermaßen etwas kleine Kirche – ist bis an den Rand gefüllt (und bleibt es auch bis zum Ende) – trotzdem herrscht eine sehr andächtige und ruhige, im wahrsten Sinne des Wortes inspirierende Atmosphäre.

Foto: © Miriam Pawlak

Bestärkt durch den Tagesverlauf und beseelt durch den geistlichen Impuls des Abends, brechen wir nach Mitternacht auf in Richtung Heimat auf und entschließen uns, am Sonntag nicht mehr zum Abschlussgottesdienst zu fahren. Der Samstag bildet für uns den perfekten Abschluss der Katholikentags – in jeglicher Hinsicht.

Der Katholikentag in Münster – ein Fazit

War mein erster Bericht nach dem zweiten Tag (sowie das daran angehängte Zwischenfazit) sehr persönlich gefärbt, so ist es auch dieser Bericht. Ich kann nur das in Worte fassen und in ein (persönliches !) Narrativ bringen, was ich selbst erlebt habe.

Nach den Erfahrungen des Katholikentags ist mein Fazit deswegen ein zwiegespaltenes. Mit Blick auf die ersten zwei Tage überwiegen die negativen Erfahrungen. Den einzigen wirklichen Lichtblick stellt in dieser Hinsicht die Eucharistiefeier zu Christi Himmelfahrt dar. Dass ich zwei Podien nicht besuchen konnte, bleibt weiterhin enttäuschend und frustrierend, gerade weil ich mir hier viel persönlichen Input erhofft habe. Ich habe auch weiterhin den Eindruck, dass der Besucherandrang deutlich höher gewesen ist als erwartet – und dass die Organisation des Katholikentags darunter sehr gelitten hat.

Ganz im Gegensatz dazu steht der dritte Tag, der ein voller Erfolg gewesen ist – und das über den ganzen Tag hinweg! Angefangen von der inhaltlichen Ebene, über die vielen Gespräche und Begegnungen, bis hin zur zur geistlichen Erbauung am Ende des Tages: An diesen Tag werde ich – davon bin ich überzeugt – noch lange zurückdenken.

Insgesamt überwiegen deswegen die positiven Erlebnisse des Samstags die negativen Erfahrungen der vorhergehenden Tage. Deswegen kann ich zum Abschluss festhalten:

Münster, es hat sich – trotz allem – gelohnt!

Der Autor: Matija Vudjan

Student der katholischen Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. Autor des Blogs DURCHGEDACHT

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