Kardinal Meisner und das „11. Gebot“

23. Mai 2013 Gesellschaft
von Matija Vudjan
Am Montag hat der scheidende Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner den Stuttgarter Nachrichten ein Interview gegeben, in dem er die aktuelle Integrationspolitik der deutschen Bundesregierung kritisiert (das ganze Interview könnt ihr euch →hier durchlesen) und sich für einen eher antiquierten Ansatz ausspricht. In der deutschen Medienlandschaft wird er dafür stark kritisiert. Doch was genau hat es mit seinen Aussagen auf sich? Ich möchte Meisners Forderungen in diesem Kommentar einmal nachgehen.

Wird kritisiert für seine Aussagen: Kardinal Meisner
Foto: Wikipedia

Fangen wir aber erst einmal von vorne an: Im oben verlinkten Interview hat der Metropolit von Köln kritisiert, dass die bloße Zuwanderung von ausländischen Fachkräften nicht die Lösung für den Bevölkerungsschwund in der deutschen Gesellschaft sein könne. Viel mehr müsse man „ein Klima schaffen, in dem Frauen mehr Kinder zur Welt bringen.“ Konkret nennt Meisner die Zahl „drei, vier Kinder“.

Aussagen wie diese sind es, die den Kölner Erzbischof in der Medienlandschaft regelmäßig zum Hardliner machen. So titelte die Bildzeitung beispielsweise heute morgen: „Kardinal Meißners 11. Gebot (gilt nur für Frauen): Bleibt zu Hause und kriegt Kinder!“ Auf den ersten Blick mag das Boulevardblatt mit seiner Schlagzeile ja sogar richtig zu liegen; immerhin propagiert der Kölner Kirchenmann augenscheinlich ein Weltbild, das die Frau zurück an den häuslichen Küchenherd schicken möchte.

„Natürlich gilt es, die materielle Sicherheit der Frau […] zu gewährleisten.“

So einfach ist die ganze Geschichte aber nicht. Denn offensichtlich haben die vielen Zeitungen, die Meisner jetzt lautstark kritisieren, überlesen, dass der Kölner Erzbischof die Frau in ihrer gesellschaftlichen Integrität und Eigenständigkeit nicht eingrenzen will. Anders ist folgender Satz nicht zu verstehen: „Natürlich gilt es, die materielle Sicherheit der Frau, auch für ihre spätere Rente, dabei zu gewährleisten.“

Sicherlich kann man Meisner, der selbst mit drei Brüdern aufgewachsen ist[1], vorwerfen, dass die Vorstellung einer Familie mit vier Kindern heute kaum noch zu verwirklichen ist. Dennoch bin ich der Ansicht, dass der Erzbischof einen für die deutsche Zukunft zentralen Punkt anspricht. Tatsache ist, dass in den nächsten 50 Jahren in keinem europäischen Land die Bevölkerungsgröße so stark abnehmen wird wie in Deutschland.[2]

Ein solches Problem kann man nicht durch Einwanderungspolitik lösen, sondern durch die gezielte Förderung der Familien in Deutschland. In letzter Konsequenz bedeutet dies, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in großem Maße optimiert werden muss – heutzutage ist diese nämlich nichts weiter als eine politische Konstruktion. Leider Gottes. Und Kardinal Meisner sticht mit seinen Aussagen deshalb in die richtige Wunde. Auch wenn er dafür momentan den Preis des medialen Shitstorms zahlen muss.

Der Autor: Matija Vudjan

Student der katholischen Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. Autor des Blogs DURCHGEDACHT

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