Gedanken zur Woche #30

10. August 2014 Ethik, Gesellschaft, Theologie
von Matija Vudjan

FDP-Chef Christian Lindner hat Finanzminister Wolfgang Schäuble in einem offenen Brief aufgefordert, die sog. kalte Progression abzuschaffen. Ihr wisst, dass ich nicht unbedingt als Freund der Liberalen zähle, aber in diesem Punkt hat Lindner vollkommen Recht: Es kann doch nicht sein, dass man für eine Gehaltserhöhung mit einem höheren Steuersatz „bestraft“ wird – und im Zweifel sogar einen kleineren Lohn bekommt!

Schützenvereine sind nicht – wie es die Medien in den letzten Tagen klarmachen wollten – typisch deutsch, sondern i. d. R. vielmehr genuin Katholisch. Dahinter steht eine ganz klare Glaubensperspektive (Stichwort: Traditionsbewahrung). Insofern ist es sinnvoll, dass Schützenvereine nur für Katholiken geöffnet sind. Die Forderung einiger, den muslimischen Schützenkönig Mithat Gedik aus seinem Verein auszuschließen, ist m. E. dennoch falsch.

100 Mio. $ hat Bernie Ecclestone für die Einstellung seines Strafprozesses an die Staatsanwaltschaft München gezahlt. Das mag in Gerichten gängige Praxis sein; trotzdem wird hier die Botschaft, wer Geld habe, könne sich von den Vorwürfen freiklaufen, mehr als nur impliziert. Liegt der deutschen Justiz etwas an ihrer Seriösität, sollte sie sich schnell um eine Klarstellung einen Beweis bemühen, dass es hierzulande keine Zwei-Klassen-Justiz gibt!

Die russische Regierung hat mit einem strikten Importembargo US-amerikanischer sowie europäischer Nahrungsmittel auf die neuesten EU-Sanktionen reagiert. Sicherlich hat das ökonomische Konsequenzen für die EU und die USA, am meisten davon ist aber das eigene Volk betroffen! Wieder einmal werden also diejenigen bestraft, die vollkommen unschuldig sind!

Vorgestern hat das US-Militär zum ersten Mal Luftangriffe auf die IS-Truppen geführt. Wir erinnern uns: erst vor drei Jahren wurden die letzten US-amerikanischen Truppen aus dem Irak abgezogen. Ich bin mir sicher: Hätte es 2003 keine Invasion gegeben, stünde heute kein zweiter Irakeinsatz bevor!

Während des heutigen Angelusgebetes hat Papst Franziskus für eine friedliche Konfliktlösung appelliert. Angesichts dieser aktuellen Aussage möchte ich euch noch einmal meinen Kommentar zu den Aussagen des Bundespräsidenten über militärische Einsätze empfehlen: →Christentum und Waffengewalt

Christentum und Waffengewalt

7. August 2014 Ethik, Gesellschaft, Theologie
von Matija Vudjan
Bundespräsident Joachim Gauck hat mit seinen Aussagen zu Militäreinsätzen, spätestens aber mit seiner Antwort auf einen offenen Brief, in dem er für diese kritisiert worden ist, eine Diskussion über die Rolle des Militärs in Kriegssituationen sowie die Rolle und Verantwortung Deutschlands in der heutigen Welt angestoßen. Gauck argumentiert dabei explizit in Bezug auf die Botschaft des Evangeliums. Ich möchte heute versuchen, mich dieser Argumentation aus dem katholischen Blickwinkel zu nähern.

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Gedanken zur Woche #25

6. Juli 2014 Ethik, Gesellschaft, Theologie
von Matija Vudjan

Bundespräsident Joachim Gauck hat in einem Vortrag die europäische Flüchtlingspolitik gerügt: sie nutze ihr Potential nur in Teilen aus. Ich gebe ihm dabei vollkommen Recht: Tatsache ist, dass wir Flüchtlingen mit starken Vorurteilen gegenüberstehen – und damit ihr (Menschen)recht auf eine sichere Unterkunft mit Füßen treten!

Die neueste Nachricht im NSA-Skandal: Der BND hat aktiv Daten an den US-amerikanischen Geheimdienst weitergeleitet. Schlimm genug, dass so etwas geschehen ist. Noch schlimmer ist es für mich allerdings, dass die SPD, die vor einem Jahr noch stark gegen die Untätigkeit der schwarz-gelben Regierung gewettert hat, jetzt selbst tatenlos dabei zuschaut, wie sich die USA an unserer Privatsphäre bedienen!

Die Nachricht, dass die ISIS-Miliz im Irak mehrere Moscheen und Grabmäler zerstört haben, machen deutlich: im Nahen Osten hat in diesen Tagen ein innerreligiöser Glaubenskrieg angefangen. Mich erinnert das alles stark an den 30-jährigen Krieg – einen der schlimmsten Kriege in der Geschichte der Menschheit.

Ich hoffe wirklich inständig, dass sich die Probleme im Nahen Osten schnell auflösen werden – auch wenn die Erfahrungen der Geschichte das Gegenteil befürchten lassen. Entscheidend dabei ist m. E., dass ein solcher Prozess ohne aktive Einmischung von außerhalb geschieht. Die Gefahr einer noch stärkeren Destabilisierung könnte dann nämlich noch größer sein.

Bundespräsident Joachim Gauck hat im ZDF-Sommerinterview seine Position zu militärischen Einsätzen verteidigt. Ich stimme ihm zwar auch weiterhin nicht zu, aber: immerhin hat Gauck den „Mut“, bei seiner Position zu bleiben – damit ist er in gewisser Weise ein Korrektiv zu einem Großteil unserer Politiker. Denn: Politik lebt vom Austausch und der Abwägung verschiedener Meinungen.

Gedanken zur Woche #23

22. Juni 2014 Ethik, Gesellschaft, Theologie
von Matija Vudjan

Bundespräsident Joachim Gauck hat vergangene Woche in einem Interview bekräftigt, dass es unter gewissen Umständen einen gerechten militärischen Einsatz – also Krieg – geben kann. Jakob Augstein hat dazu einen Kommentar geschrieben, dem ich nichts hinzufügen möchte: →Heiliges Kanonenrohr!

Papst Franziskus hat die Mafia als „Anhängerschaft des Bösen“ und als exkommuniziert bezeichnet. Richtig so! Das Handeln der Mafia ist alles, aber definitiv nicht christlich! Wollen wir hoffen, dass die Worte des Papstes den richtigen Effekt erreichen – und nicht für ihn selbst zur Gefahr werden.

Die USA und der Iran wollen im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS gemeinsam arbeiten. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, sind die beiden Staaten tief verfeindet. Umso schöner wäre es (auch im Hinblick auf die Gesamtsituation im Nahen Osten), wenn diese Zusammenarbeit zu neuer Diplomatie führte.

Ein Abstecher zur Fußball-WM: Im gestrigen Spiel zwischen Deutschland und Ghana wurde konsequent weggeschaltet, als ein Flitzer auf das Feld sprang. Ebenso war es im Eröffnungsspiel, in dem ein indigener Brasilianer ein Spruchband ausrollte. Warum zeigt man bei diesem Großereignis nicht die Wirtlichkeit, anstatt eine – nicht vorhandene – Idylle zu zeichnen?
Nachtrag, 23.06.: Inzwischen hat sich herausgestellt, dass der Flitzer Nazi-Parolen auf dem Körper trug. Insofern ist das Umschwenken der Kamera vollkommen richtig. In diesem Sinne richte ich meine Entschuldigung an die FIFA.

Und noch etwas aus dem Fußball: Nach dem WM-Auftaktsieg gegen Portugal wurde die deutsche Mannschaft für die große Präsenz im Mittelfeld gelobt; nach dem gestrigen Spiel gegen Ghana liegt jetzt genau hier die Schwachstelle. Ergo: Statt neutraler Berichterstattung gibt es immer mehr Sensationsjournalismus. Schade.

Gedanken zur Woche #22

15. Juni 2014 Ethik, Gesellschaft
von Matija Vudjan

Angesichts der Veröffentlichung seines Buches hat Christian Wulff gesagt, dass sein Rücktritt falsch war und er auch heute noch der richtige Präsident wäre. Diese Aussage wage ich doch schwer zu bezweifeln. Warum, könnt ihr in diesem Artikel vom März lesen: →Transparenz ist das Stichwort

Die neuesten Terroranschläge im Irak erzwingen die eine Frage deutlicher als jemals zuvor: Welchen Sinn hatte der Irakkrieg im Himmels Willen?! Wir werden uns diese Frage übrigens schon sehr bald im Hinblick auf den Afghanistaneinsatz der NATO stellen müssen. Und im Hinblick auf Ägypten, Tunesien, Syrien, und, und, und…

Die EU-Kommission hat eines ihrer Lieblingsthemen neu für sich entdeckt: Nach der klassischen Glühbirne sollen jetzt auch das Halogenleuchtmittel ein Produktionsverbot auferlegt bekommen. Da erübrigt sich doch ganz die Frage, warum bei der Europawahl vor einem Monat nur 40% der Wahlberechtigten teilgenommen haben…

Immer, wenn es irgendwo Naturkatastrophen gibt, wird schnell von vielen Seiten – darunter auch der Politik – Hilfe angeboten. Hier in Essen habe ich das Gefühl, dass die Bürger momentan auf sich alleine gestellt sind. Polizei und Feuerweh machen zwar einen super Job (der definitiv ein riesiges Lob und Dankeschön verdient hat!), der Politik scheint das, was hier am Pfingstwochenende geschehen ist, vollkommen egal zu sein. Weder Landes-, noch Bundesregierung haben sich in irgendeiner erkennbaren Weise zu Wort gemeldet – geschweige denn Hilfe angeboten. Schade.

Zum Schluss eine kleine Bemerkung in eigener Sache: Seit Donnerstag Abend erstrahlt der Blog in neuem Glanz. Zum einen soll der Blog dadurch schneller gemacht werden, zum anderen erhoffe ich mir von dieser Veränderung mehr Übersicht und Struktur. Wie gefällt es euch? Ich freue mich auf eure Anmerkungen!