Gedanken zur Woche #52

9. Februar 2015 Ethik, Gesellschaft, Theologie
von Matija Vudjan
Mit der heutigen Ausgabe der #GedankenZurWoche bin ich leider ein wenig spät dran – entschuldigt dies bitte! Auch wenn die Woche inzwischen vorbei ist, möchte ich euch (da ich in der letzten Woche wegen des alljährlichen Prüfungsstresses andere Prioritäten hatte) dennoch nicht meine Gedanken zu den vergangenen Tagen vorenthalten – auch wenn sie deswegen ein wenig kürzer ausfallen als sonst. Als Ausgleich hoffe ich, in dieser Woche etwas aktiver sein zu können. Zunächst aber zu den Gedanken zu den vergangenen sieben Tagen:


In dieser Woche ist ein Video veröffentlicht worden, das zeigt, wie der vom IS gefangene jordanische Kampfpilot öffentlich bei lebendigem Leib verbrannt worden ist. Für diese Schandtat ist die Führung des IS auch aus den eigenen Reihen kritisiert worden – immerhin verbietet es der Koran, Menschen mit dem Feuer zu bestrafen. Von daher scheint es mir eine wichtige Kehrtwende zu sein, dass der IS sich auch jetzt auf den Koran beruft und diesen damit eindeutig auslegt – genau das hat die Organisation bisher nämlich abgelehnt!

Als Reaktion auf die Hinrichtung Muaz al-Kasaesbehs hat Jordanien selbst bereits zwei Terroristen in eigener Gefangenschaft hingerichtet und selbiges bereits für weitere Gefangene angekündigt. Dass die reflexartige Hinrichtung von Terroristen die richtige Lösung ist, wage ich allerdings zu bezweifeln: Man kann ein Feuer nie mit noch mehr Feuer besiegen. Oder ethisch gesprochen: Wer jetzt reflexartig Menschen hinrichtet, ist selbst keinen Deut besser als die IS-Terroristen!

Papst Franziskus steht (wieder einmal) in der Kritik: Während der Generalaudienz am vergangenen Mittwoch hat er gesagt, es sei in Ordnung, dass Eltern ihre Kinder schlagen, so lange dabei die Würde des Kindes gewahrt werde. Dabei mag er sich zwar auf die Situation in Ländern bezogen haben, in denen dies tatsächlich nicht der Fall ist – liest man seine Aussage mit diesem Schlüssel, wirkt sie deutlich relativierender. Trotzdem: Schläge sind nie das richtige Mittel! Jeder einzelne Schlag richtet sich gegen die Würde des Kindes!

In den vergangenen Tagen hat sich ein „Streit“ zwischen den USA und Deutschland entwickelt; genauer gesagt zwischen zwei republikanischen US-Senatoren und einigen deutschen Politikern. Es geht dabei um die Frage, ob der deutsche Kurs in der Ukraine-Krise, Kiew nicht mit Waffen auszustatten, der richtige ist. Ohne Zweifel richtig ist, dass die Sicherheit der Ukrainer gewährleistet werden muss. Aber dass Waffen dafür der richtige Weg sind, wage ich zu bezweifeln. Man kann ein Feuer nie mit noch mehr Feuer besiegen…

In Leipzig ist die für morgen heute vorgesehene Legida-Demonstration vom Oberbürgermeister der Stadt abgesagt worden, weil es angeblich nicht genügend Polizeikräfte gebe. Inzwischen ist diese Aussage vom sächsischen Innenministerium revidiert worden. Ich kann verstehen, dass man eine solche Demonstration nicht in seiner Stadt sehen möchte, aber sich in einem solchen Fall eine fadenscheinige Ausrede auszudenken, ist sicherlich nicht der Königsweg!

Dieser Beitrag stammt von: Matija Vudjan

Student der katholischen Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. Autor des Blogs durchgedacht.
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